Autor Thema: Unter Geld und Wirtschaft: Tabaklobby  (Gelesen 2734 mal)

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Unter Geld und Wirtschaft: Tabaklobby
« am: März 15, 2010, 00:20:52 Vormittag »


http://kurier.at/geldundwirtschaft/1966289.php


Preiskampf bei Zigaretten erwartet

Fällt 2010 der Zigaretten-Mindestpreis, kommt ein Preiskampf, sagt Austria-Tabak-Chef Hagen von Wedel im KURIER-Interview.

Hagen Von Wedel Der Deutsche Hagen von Wedel leitet seit dem Sommer Austria Tabak, eine Tochter von Japan Tobacco

Fällt 2010 der Mindestpreis für Zigaretten, bricht zwischen den großen Marken eine Preisschlacht aus, erwartet der JTI/Austria-Tabak-Chef.

KURIER: Wir haben uns hier in einem typischen Wiener Café getroffen, in dem Rauchschwaden in der Luft hängen. Die Rauchverbotslösung in der Gastronomie muss der Tabakindustrie doch gefallen.
Hagen von Wedel: Die österreichische Lösung mit der räumlichen Trennung ist ein Kompromiss, und zwar ein guter. Sie spiegelt den grundsätzlichen Willen wider, das Rauchen - mit Einschränkungen! - dem freien Markt zu überlassen, der Konsument kann entscheiden. Sie dient sogar international als Vorbild - etwa in Deutschland, wo man nun auf Bundesländerebene nach einer Lösung sucht.

Weniger Zigaretten verkaufen Sie dadurch nicht.
Nein: Weil sich das Rauchen verschiebt. Man raucht eben nicht mehr überall, sondern zu Hause oder in Cafés, wo man das noch darf.

2008 richtete die Regierung den Solidaritätsfonds für grenznahe Trafikanten ein, die unter dem Schmuggel leiden. Die Tabakindustrie zahlte in den Fonds ein, der Finanzminister fror als "Gegengeschenk" die Tabaksteuer ein, die sonst automatisch erhöht worden wäre. Auf Betreiben der Hersteller wird der Fonds ab 2010 nicht mehr gespeist, die Tabaksteuer steigt trotzdem nicht. Ein voller Erfolg für die Industrie.
Es ist nicht so, dass wir darüber jubeln, dass der Fonds nicht mehr gespeist wird. Aber so, wie er umgesetzt war, ging er am Ziel vorbei: Die Zahlungen waren völlig überzogen, und hatten der Schmuggelbekämpfung in keiner Weise gedient. 16 Prozent der Zigaretten, die in Österreich geraucht werden, werden nicht hier versteuert - das ist das Problem, das man anpacken muss. Außerdem wird im Ausgleich die Trafikantenmarge erhöht.

Dennoch müsste die Steuer eigentlich ab 1. Jänner steigen. Der Steuerzahler schenkt Ihnen viel Geld.
Dazu muss man zwei Dinge wissen: Die EU wird die Grundlagen der Steuergesetzgebung ab 2011 harmonisieren. Und: Der EuGH wird den Mindestpreis für Zigaretten, der auch in Österreich gilt, mit hoher Wahrscheinlichkeit aufheben. Es hätte also keinen Sinn gehabt, die alte Regelung nur für 2010 wieder aufleben zu lassen, wenn man sich ohnehin eine neue Tabaksteuerregelung überlegen muss - eine, die auch ohne Mindestpreis als Jugendschutzerwägung die Preisspirale nach unten bremst und trotzdem mit den EU-Vorgaben im Einklang steht.

Hagen Von Wedel Dann kommt wohl wieder der aggressive Preiskampf, den wir vor der Einführung des Mindestpreises hatten.
Ja, das ist zu vermuten. Vor allem bei neuen Produkten versuchen die Anbieter, mit niedrigeren Preisen Bekanntheit zu erlangen und Marktanteile zu gewinnen. Meistens werden dann die billigeren Zigaretten immer billiger, ohne dass sich Marktanteile verschieben.

Fein für die Raucher ...
... aber fatal für Handel, Industrie und das Steueraufkommen.

Sie sind also ein Freund des Mindestpreises.
Ich drücke es so aus: Er kann als Steuerungsinstrument durchaus Sinn haben.

Derzeit ist die Austria Tabak-Mutter JTI im Begriffe, die Marktführerschaft an Philip Morris abzugeben ...
Das ist so nicht richtig. Im Gesamttabakbereich sind und bleiben wir Marktführer. Aber es stimmt, im Zigarettenbereich ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die meistverkaufte Zigarette ist die Marlboro von Philip Morris. Man fragt sich, warum Austria Tabak für die Memphis nicht mehr unternimmt. Die kommt mit 16 Prozent Marktanteil gleich dahinter - das wäre doch ein Heimspiel.
Dass für die zu wenig getan wird, mag Ihnen so scheinen. In Wahrheit ist sie neben der Marlboro die einzige Marke mit einem stabilen zweistelligen Marktanteil, und das als österreichische Traditionsmarke. Gleichzeitig müssen wir aber unsere internationalen Marken wie Camel und Winston stärker verankern, die haben noch Wachstumspotential.

Das klingt nicht nach einem Bekenntnis zu den alten Austria-Tabak-Marken.
Wir wollen und werden auf Memphis nicht verzichten. Nicht zuletzt sichert sie hier Arbeitsplätze.

Das Linzer Werk schließt dieser Tage für immer, in Hainburg mussten 100 von 360 Leuten gehen. Wie lange werden in Österreich noch Zigaretten hergestellt?
Bis 2012 stecken wir 75 Millionen Euro in das Werk Hainburg, die Fabrik steht nicht in Frage.

Maschinen kann man abbauen und anderswo wieder aufstellen ...
Dass wir in Hainburg 100 Jobs streichen mussten, war wirtschaftlich unumgänglich, weil die Nachfrage weltweit zurückgeht. Aber wir haben dort Mitarbeiter mit großem Know-how. Dass wir dort weiterproduzieren, steht außer Frage.

Artikel vom 29.12.2009 15:53 | KURIER | Sebastian Paulick


Daher noch mehr (anonyme) ANZEIGEN durch couragierte Bürger in Österreich, laut

http://www.rauchsheriff.at/rauchfrei/index.php?topic=1073.msg6351#msg6351