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Pressekonferenz 12. Jänner 2012

o.Univ.-Prof.em. Dr. Manfred Neuberger, Facharzt Hygiene & Präventivmedizin, Innere Medizin, Arbeitsmedizin.
Tel. 01-9147561 (0676-52 67101, 01-4016034920). E-Mail: manfred.neuberger@meduniwien.ac.at

Dr. Außerwinkler hatte 1992 das damals modernste Tabakgesetz Europas entworfen. Zum Dank
wurde er entlassen und der damalige Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler strich alle
Sanktionen aus dem Gesetz. Spätere Gesundheitsminister waren feig und scheinheilig. Der Gipfel an
brutalem Lobbyismus wurde unter Kdolsky erreicht. Sie novellierte zwar das Tabakgesetz, erfüllte
aber alle Wünsche der Wirtschaftskammer, einem Sprachrohr der Tabakindustrie.
Arbeitsmediziner, Pädiater, Pneumologen, Kardiologen, Hygieniker, Toxikologen und andere
Fachgesellschaften protestierten gegen diese bis heute gültige Tabakgesetznovelle. Denn sie
erkannten schon vor 4 Jahren die perfide Absicht, ein Gesetz zu schaffen, das zum Scheitern
programmiert war, damit man weitermachen konnte wie bisher. Heute fragen sich Ärzte, ob Stöger
hofft, die WHO und die EU mit Alibiaktionen, Pseudoevaluierungen, manipulierten Statistiken und
den lediglich angedrohten Sanktionen befriedigen zu können.
Die Aufrechterhaltung der Schmutzkonkurrenz kleiner Raucherlokale hatte Kdolsky auf Rat von
Waneck (FPÖ) von Spanien abgeschrieben, wo das partielle Rauchverbot gleichfalls versagte. Spanien
hat jedoch aus seinem Fehler gelernt und 2010 das Rauchen in allen Lokalen verboten. Heuer trat ein
ähnliches Gesetz in Ungarn in Kraft, das damit dem Beispiel von Nord- und Westeuropa folgte. Schon
seit 2004 haben Irland und Norwegen positive Erfahrungen mit dem ausnahmslosen Rauchverbot in
der Gastronomie gemacht, seit 2005 erlaubt Italien nur mehr Raucherräume, die wirklich
lüftungstechnisch abgetrennt sind und Schweden verbietet dort das Servieren zum Schutz des
Personals. Ähnliche Gesetze folgten in Großbritannien, Frankreich und bei unseren Nachbarn
Slowenien, Bayern und den meisten Kantonen der Schweiz.
Nach Einführung dieser Rauchverbote wurden folgende Beobachtungen gemacht: Die Herzinfarkte in
der Bevölkerung nahmen ab, besonders bei Passivrauchern. Der Gesundheitszustand des
Gaststättenpersonals verbesserte sich, Husten, Auswurf und Atembeschwerden nahmen ab. Die
Zufriedenheit mit dem Tabakgesetz nahm bei Nichtrauchern und Rauchern zu, die Befürwortung
stieg in manchen Ländern auf 90% und heute ist der Grad der Zufriedenheit dort am höchsten, wo
keine Ausnahmen zugelassen und das Gesetz konsequent umgesetzt wurde. Die Einführung
genereller Rauchverbote erwies sich als die einfachste und kostengünstigste Lösung: Nur im ersten
Jahr erhöhte sich der Personaleinsatz (Polizei) wie bei Einführung der Gurtenpflicht im Auto
Laut Eurobarometer ist die Raucherquote im EU-Schnitt auf 29% gefallen und in Österreich auf 34%
gestiegen. Raucher in Europa konsumierten im Schnitt 14, 4 und in Österreich 17,7 Zigaretten pro
Tag. In Europa vertrauten nur mehr 25% in Leichtzigaretten, in Österreich noch 39%. Innerhalb eines
Jahres machten 28% der Raucher in Europa, aber nur 21% der Raucher in Österreich einen
Aufhörversuch (mit Hilfe 67% in Europa und 31% in Österreich). Ein rauchfreies Heim haben 30% der
Raucher in Europa und erst 18% in Österreich. 55% der Bars und 70% der Esslokale in Europa wurden
rauchfrei, aber bisher nur und 14% der Bars und 30% der Esslokale in Österreich. Während sich im
EU-Schnitt die Mehrheit für ein Tabakwerbeverbot in Trafiken (63%) und ein Tabakverkaufsverbot im
Internet (60%) und über Automaten (52%) aussprach, fand sich dafür in Österreich noch keine
Mehrheit. Dafür ist hierzulande die Kampagne der Tabakindustrie „Höflichkeit und Toleranz“ voll
angekommen. Nichtraucher sind in Österreich besonders bemüht, ihr Verständnis für Raucher zum
Ausdruck zu bringen und begleiten Raucher meist auch bedenkenlos in Raucherlokale und
Raucherzimmer, weil Passivrauchen hierzulande noch immer als Belästigung und nicht als
Gesundheitsgefährdung angesehen wird.
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Pressekonferenz 12. Jänner 2012
manfred.neuberger@meduniwien.ac.at www.aerzteinitiative.at
Die beiden österreichweiten Eurobarometer-Umfragen1 stimmen mit Umfragen in Graz und Wien
überein und haben die Umfrageergebnisse von IFES (Auftrag von Minister Stöger) und von MARKET
(Auftrag der Wirtschaftskammer) falsifiziert. Die folgende Tabelle zeigt Ergebnisse von drei Studien,
die unabhängig voneinander an drei Universitäten durchgeführt wurden (nur der Wissenschaftsethik
verpflichtet):
Gäste % Belästigung gesundheitl. mit Gesetz für Rauch-
(%R) Geruch Essen Probleme unzufrieden verbot
2Gasser, Schwarz, Wien 1590 (38) 82 76 21 58 51
3Koch, Hutgrabner, Stmk. 518 (36) 86 85 29 77 62
4Reichmann, Graz 342 (45) 50
Diese drei Studien haben Gäste mit einem höheren Raucheranteil als in der Allgemeinbevölkerung
befragt. Trotzdem wurde in der Steiermark und in Wien ein hoher Belästigungsgrad durch
Tabakrauch (Geruch in Haaren und Kleidern, Störung beim Essen) und eine mehrheitliche
Befürwortung eines generellen Rauchverbotes in der Gastronomie festgestellt. Die höhere
Zustimmungsrate in der Steiermark hängt mit der (im Vergleich zu Wien) geringeren Raucherquote
und dem höheren Prozentsatz von Personen zusammen, denen bewusst ist, dass ihnen Tabakrauch
gesundheitliche Probleme macht.
In der Studie von Reichmann äußerten nur 50% Unzufriedenheit mit dem Tabakgesetz, was mit dem
höheren Raucheranteil (45%) dieser 342 Grazer Gäste zusammenhängt. Die gleichfalls befragten 29
Wirte waren mit dem Tabakgesetz mehrheitlich unzufrieden, allerdings verweigerten 21 Wirte eine
Antwort. In 87% der 136 Grazer Lokale fand Reichmann Verletzungen des Tabakgesetzes (meist
fehlende oder falsche Kennzeichnung) und in 57% Verstöße gegen zwei oder mehr Bestimmungen.
13 von 62 Mehrraumlokalen waren noch als reine Raucherlokale geführt. Reichmann fand keinen
signifikanten Zusammenhang zwischen der Gästezahl pro Lokal während seines Besuches und dem
Raucherstatus der Gäste, woraus er schließt, dass Nichtraucher ebenso häufig Lokale frequentieren
wie Raucher. Das Tabakgesetz führte zu Wettbewerbsverzerrungen, vor allem zum Nachteil großer
Einraumlokale. 4
Die größte unabhängige Befragung von Gaststättenpersonal in Österreich wurde von Kirnbauer und
Wagner in Wien an 201 Personen (56% Raucher) durchgeführt. Dabei sprachen sich 41% (46% der
Angestellten und 32% der Inhaber) für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie aus, was nach
dem Lobbying der Standesvertretung (für Interessen der Tabakindustrie) bemerkenswert hoch ist.
Den Gastronomen scheint also die Ungerechtigkeit und Insuffizienz des dzt. Nichtraucherschutzes
1 Special Eurobarometer 332, Welle 72.3, Europäische Kommission, Mai 2010; Survey on Tobacco, Flash
Eurobarometer 253, Gallup / Europäische Kommission, März 2009.
2 Schwarz Karoline 2011, Gasser Maria-Anna 2012: Diplomarbeiten der Med. Univ. Wien
3 Koch Peter2009, Hutgrabner Christoph-Silvester 2010: Diplomarbeiten der Med. Univ. Graz
4 Reichmann Gerhard & Margit: Soziale Sicherheit 2011; 3:140. Arbeits-u.Sozialrechtskartei 2012 (im Druck)
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Pressekonferenz 12. Jänner 2012
manfred.neuberger@meduniwien.ac.at www.aerzteinitiative.at
eher bewusst zu sein, als ihrer Standesvertretung, von der sie mit Horrormeldungen über angebliche
Geschäftsverluste durch Rauchverbote überschwemmt werden. Schon die IARC5 hat nachgewiesen,
dass keine Geschäftseinbußen infolge von Rauchverboten auftreten und seither alle Studien, die
nicht von der Tabakindustrie finanziert wurden. Die Wirtschaftsprofessoren Gerhard und Margit
Reichmann kommen zu dem Schluss, dass nur partielle Rauchverbote zu wirtschaftlichen Nachteilen
für einen Teil der Lokale führen, die durch ein generelles Rauchverbot vermieden werden können.
Pletz & Neuberger6 fanden in 112 gut besuchten Lokalen der Wiener Bezirke 1-9 zwischen Februar
und Oktober 2010, dass 62% zumindest gegen eine Bestimmung des Tabakgesetzes verstießen.
Schietz & Slavik fanden in denselben Bezirken zwischen November 2010 (4 Monate nach Ende der
Übergangsbestimmungen des Tabakgesetzes) und Mai 2011, dass 61% von 88 Lokalen gegen das
Tabakgesetz verstießen (in 27% wurde die Verbindungstür zum Raucherraum offen gehalten, 16%
fehlte eine Trennung vom Nichtraucherraum, in 15% wurde im Nichtraucherraum geraucht, 14%
hatten keine gesetzeskonforme Kennzeichnung und in 7% diente der Hauptraum als Raucherraum).
Eine geringfügige Verbesserung war bei der PM2.5-Belastung der Raumluft feststellbar: Pletz &
Neuberger hatten Mediane von 282 μg/m³ in Raucherlokalen, 241 μg/m³ in Raucherzimmern, 68
μg/m³ in Nichtraucherzimmern gemischter Lokale und 7 μg/m³ in Nichtraucherlokalen gefunden.
Schietz & Slavik fanden 172 μg/m³ in Raucherlokalen und Raucherzimmern, 34 μg/m³ in
Nichtraucherzimmern gemischter Lokale und 7 μg/m³ in Nichtraucherlokalen (bei einer medianen
Außenkonzentration von 15 μg/m³ durch den KFZ-Verkehr). Aber auch die jüngste Studie stellte fest,
dass der WHO-Grenzwert von 25 μg/m³ (für das Tagesmittel der Außenkonzentration), bei ihren
zufälligen Stichproben in Nichtraucherzimmern in 64% der gemischten Lokale überschritten wurde.
Dazu kam eine beträchtliche Belastung mit unsichtbaren Ultrafeinstäuben, die auch bei
vorschriftsmäßiger Tür vom Raucherraum in den Nichtraucherraum gelangen und ein
Gesundheitsrisiko darstellen.
Das Sterberisiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist an einer verkehrsreichen Straße wie dem
Währinger Gürtel in Wien um ca. 7% höher als in sauberer Luft. Verbringt dieser Anrainer täglich eine
Stunde in einem durchschnittlich verrauchten Wiener Lokal, verdoppelt sich sein Sterberisiko auf ca.
14%. Ist er aber in diesem Lokal 8 Stunden pro Tag beschäftigt, muss er insgesamt mit 26%
Risikoerhöhung rechnen, vorzeitig an einer Herzkreislauferkrankung (Herzinfarkt, Schlaganfall) zu
sterben.7 Dazu kommen ein Lungenkrebsrisiko, das sich nach 8-jähriger Beschäftigung in einem
Raucherlokal verdoppelt und ein Risiko für eine COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) mit
entsprechend langem Leiden. Schon bei Kindern errechnen sich untragbar hohe Risken für
Atemwegserkrankungen durch unfreiwilliges Mitrauchen. Dabei geht die Sorglosigkeit der
Erwachsenen in Lokalen und zu Hause parallel. Nur die Tabakindustrie profitiert davon, dass schon
Kinder in Lokalen Anschauungsunterricht erhalten, Jugendliche zum Rauchen verführt werden und
dem Raucher der Ausstieg schwer gemacht wird.
5 http://www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2008/pr189.html
6 Pletz H, Neuberger M 2011. Atmosphere 2, 171-181. http://www.mdpi.com/2073-4433/2/2/171/
7 Neuberger M, Moshammer H 2012. Atemw Lungenkrht. http://www.gesundheits-blog.org/?p=236

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Pressekonferenz in Wien am 12.1.2012:


Tabakgesetz in großen Teilen gescheitert
Behörden mit der Kontrolle überfordert


Lassen Sie mich vorweg noch etwas sagen:
Die Einflüsse der Freunderlwirtschaft auf unsere Politiker und Entscheidungsträger ist offenkundig! Anders ist die Hilflosigkeit und Tatenlosigkeit unserer Politiker in Sachen Nichtraucherschutz und Gesundheitspolitik nicht zu erklären. Um es allen recht zu machen, macht man lieber nichts. Statt kompetent ist man lieber tolerant. Man will sich keine Feinde machen. Statt gesetzlicher Kontrollen durch die Behörden, überlässt man diese der Bevölkerung. Die ist jedoch überfordert, da die Gesetzeslage teilweise recht kompliziert ist. Das Ganze hat System: Man hat etwas getan, den guten Willen gezeigt, aber doch nichts Wesentliches verändert. Auf der Strecke bleibt eine verantwortungsvolle Gesundheitsfürsorge und Gesundheitsvorsorge.


Nun zum eigentlichen Anlass:
Seit 2009 gibt es ein Tabakgesetz mit Sanktionen. Hat es den Schutz der Nichtraucher verbessert? Nicht wirklich, nur teilweise. 80 Prozent der Wirte von Mehrraumlokalen verstoßen nach wie vor gegen das Tabakgesetz, weil der Hauptraum vielfach immer noch der Raucherraum ist bzw. die Türen zum Raucherraum fast immer offenstehen. In solchen Fällen mischt sich die Luft vom Nichtraucher- und Raucherraum. Von Nichtraucherschutz kann keine Rede sein. Schuld daran hat einmal mehr der Gesetzgeber, der entgegen den Vorschlägen der Schutzgemeinschaft und anderen Experten es verabsäumt hat, den Wirten vorzuschreiben, wie ein Raucherraum ausgestattet sein muss, nämlich mit Unterdruck, automatischem Türschließer und eigenem Belüftungssystem. Ein weiteres Problem ist die Kennzeichnungsverordnung, die von vielen Wirten nicht ernst genommen wird. Auch nach drei Jahren Tabakgesetz findet man genügend Lokale, die nicht gekennzeichnet sind. Die mangelnde Kontrolle durch die Behörden bestärkt zudem die Lokalbetreiber in der Missachtung des Gesetzes. Das Tabakgesetz ist damit in großen Teilen gescheitert. Es vermag nicht den Nichtraucher ausreichend vor Passivrauch zu schützen.

Immer dann, wenn die Gesundheitsinteressen der Allgemeinheit mit den wirtschaftlichen Interessen einer Minderheit kollidieren, kommen  faule Kompromisse zustande. Das "Kdolsky-Tabakgesetz" als typisch "Österreichische Lösung" war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Statt einer gerechten Lösung, Rauchverbot für alle Lokale, haben wir jetzt ein Wirrwarr, mit dem weder Wirte, Raucher noch Nichtraucher zufrieden sein können. Der Nutzen für Mensch, Wirtschaft und Gesundheitswesen durch ein generelles Rauchverbot in geschlossenen Räumen einschließlich der Gastronomie ist riesig. Repräsentativstudien der weltweit renommierten GfK Marktforschung zeigen, dass sich die Raucherquote durch Nichtraucherschutzgesetze stark verringern lässt. So sank in Deutschland der Anteil der Raucher bei den über 15-Jährigen zwischen Jänner 2007 und Dezember 2011 von 35,1 Prozent auf nur noch 29,0 Prozent. Die Zahl der Nichtraucher stieg von 64,8 Prozent auf 71,0 Prozent. Das ist ein positiver Nebeneffekt. Ziel muss aber der Schutz der Nichtraucher sein. Österreich hat den höchsten Anteil jugendlicher Raucher aller EU-Staaten und damit einen enormen Aufholbedarf.

Auch die Behörden sind mit dem Tabakgesetz und seinen zahlreichen Ausnahmen völlig überfordert. Unterschiedliche Beurteilungen zeigen die Hilflosigkeit der Strafämter. Hunderte Berufungen liegen beim Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) eines jeden Bundeslandes. Sowohl die Ombudsstelle für Nichtraucherschutz im Gesundheitsministerium als auch die Volksanwaltschaft kommen mit der Erledigung der Beschwerden nicht mehr nach. Wir fordern deshalb ein Tabakgesetz mit einem konsequenten und ausnahmslosen Nichtraucherschutz. Ein solches kann leicht und effizient kontrolliert werden. Dazu braucht es keine umständlichen Verwaltungsstrafverfahren durch die Behörde, sondern eine einfache Kontrolle durch die Polizei, die eine Zuwiderhandlung sofort mit einem Bußgeld (wie beim Falschparken) ahnden soll. Wirte, die verbotener Weise rauchen lassen, sollten angezeigt und mit einer empfindlichen Verwaltungsstrafe zur Einsicht gelenkt werden. Bei mehrmaliger Missachtung auch mit Entzug der Gewerbeberechtigung. Die Kontrolle muss jedenfalls zu 100 Prozent der Staat übernehmen und sie nicht wie bisher der Bevölkerung aufbürden.

Rauchen ist die am weitesten verbreitete vermeidbare Krankheits- und Todesursache. Nikotin ist, bezogen auf die Gesamtgesellschaft, die weltweit gefährlichste Droge. Da darf es keine Kompromisse und Ausnahmeregelungen geben. Eine gesunde Bevölkerung entlastet das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft enorm. Das Rauchen kostet uns in Österreich über 4 Mrd. Euro an Krankenbehandlung, Produktionsausfall und Brandschäden. 11.000 bis 14.000 Raucher sterben jährlich vorzeitig wegen des Tabakkonsums. Es ist ein Verbrechen, dass die Regierungen das seit Jahren in Kauf nehmen. Über 1000 Nichtraucher sterben an den Folgen des Passivrauchens, kommen also unschuldig zu Tode. Niemand hat das Recht, die Atemluft anderer Menschen zu vergiften. Passivrauchen ist eine Körperverletzung! Wir brauchen deshalb nicht nur ein Reinheitsgebot für Wasser und Lebensmittel, sondern auch ein Reinheitsgebot für die Luft in Innenräumen! Was mich aber völlig in Rage bringt, ist die unkonsequente Politik. Einerseits werden strengere Strafen beschlossen, wenn Kindern Gewalt angetan wird, und andererseits schaut man weg, wenn Kinder in Raucherräume mitgenommen und dem schädlichen Passivrauch ausgesetzt werden. Die besondere Schutzbedürftigkeit von Kindern ist zwar klar im Gesetz festgehalten, scheint aber bei Schädigung durch Tabakprodukte nicht zu gelten. Wir fordern daher ein Betretungsverbot von Raucherräumen bis zum 18. Lebensjahr, ein Verkaufsverbot von Tabakwaren unter 18 Jahren und ein Rauchverbot im Auto, wenn Kinder anwesend sind. Selbstverständlich hat dieser Schutz auch zu Hause zu gelten. Die Wohnung ist kein rechtsfreier Raum, weshalb man dort auch nicht seine Kinder an der Gesundheit schädigen darf. Eltern haben eine Fürsorgepflicht, aber kein Schädigungsrecht. Kinder sind die Schwächsten unserer Gesellschaft und brauchen daher den größten Schutz.

Lassen Sie mich zum Abschluss noch eines sagen:
Ein Grundproblem ist das mangelnde Verständnis für einen umfassenden Nichtraucherschutz. Die Bevölkerung ist zuwenig sensibilisiert über die Folgen des Passivrauchens. Raucher haben ein höheres Problembewusstsein als Nichtraucher. Sie wissen, dass das Rauchen absolut gesundheitsschädlich ist. Trotzdem rauchen sie gegen ihr besseres Wissen und Gewissen. Nichtraucher hingegen denken, wenn ich nicht rauche, lebe ich gesund. Sie bedenken nicht, dass Passivrauchen in gleicher Weise gesundheitsschädlich ist wie das Aktivrauchen, nur eben in abgeschwächter Form. Eine Trendwende ist nur zu erreichen, wenn das Rauchen auch gesellschaftlich geächtet wird. Man muss endlich den Mut haben zu sagen: "Rauchen ist die dümmste Sache der Welt". Die Politik ist nun gefordert, einen nachhaltigen Schutz vor dem Passivrauchen zu gewährleisten. Nichtraucherschutz und Tabakprävention gehen Hand in Hand. Wir haben schon viel zu viel Zeit verloren. Wir müssen endlich an jene Länder anschließen, die ein fortschrittlicheres Tabakgesetz haben als wir. Wir müssen uns an den Besten orientieren und nicht an den Schlechtesten. Auch im Zuge der Kosteneinsparung im Gesundheitswesen ist ein rasches handeln not-wendig. Es wendet die Not. Parteipolitische Spielchen sind angesichts der verheerenden Folgen des Aktiv- u. Passivrauchens fehl am Platz.
Es gilt zu handeln und zwar sofort!

Robert Rockenbauer
Bundesleiter der Österreichischen Schutzgemeinschaft für Nichtraucher
www.alpha2000.at/nichtraucher
nichtraucherschutz@aon.at

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http://regionaut.meinbezirk.at/wien-01-innere-stadt/chronik/die-wahre-feinstaub-bombe-d125850.html


Schlimmer als Schwerverkehr: Rauchbelastung in Gastro-Lokalen

Ob Dieselfahrzeuge oder Transitverkehr: Über die Ursachen der hohen Feinstaubbelastung wird derzeit heftig gestritten. Was aber jetzt eine Studie belegt: Die A23 ist eine Lungenheilanstalt im Vergleich zu Raucherlokalen.

„Die Konzentration der Feinstaub-Partikel PM2,5 erreicht im Raucherbereich einen Wert, der mehr als das Zehnfache über der Konzentration am Währinger Gürtel liegt“, so Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien, der die Ergebnisse der Studie in einem Fachjournal vorstellte.

Besonders schlimm: Auch der Nichtraucherbereich ist betroffen – bis zu vier Mal so hoch wie die Feinstaubbelastung am verkehrsreichen Gürtel. „Das sind keine Nichtraucherzonen, sondern Passivraucherzonen, in denen Risikogruppen akut und andere Personen chronisch gefährdet sind“, so der Universitätsprofessor.

„Das Personal in Raucherlokalen hat ein um 20 Prozent höheres Risiko, vorzeitig an einem Herzinfarkt zu sterben.“

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China - Wie die Tabakindustrie die Wissenschaft unterwandert


13.01.2012, 10:31
Von Mara Hvistendahl

In China findet ein Kampf statt, den der Westen schon hinter sich hat: Seit Jahrzehnten sucht die Tabakindustrie dort nach Wegen, um ihre Produkte weniger schädlich erscheinen zu lassen als sie tatsächlich sind.

Am 8. Dezember widerfuhr Xie Jianping eine große Ehre und eine schwere Demütigung. Zuerst wurde der Forscher in die Chinesische Akademie der Ingenieurswissenschaften gewählt, Stunden später erhob sich im Internet ein Sturm der Entrüstung.

China hat 300 Millionen Raucher. Im Jahr 2010 qualmten dort 53 Prozent der Männer im Alter von 15 bis 69 Jahren. (© REUTERS)

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Als erster kritisierte der Blogger Liu Zhifeng die Auszeichnung eines Wissenschaftlers, dessen Forschung genutzt werde, um "Menschen effektiver umzubringen". Das Akademiemitglied Chen Junshi, ein Experte für Nahrungsmittelsicherheit, zeigte sich "beschämt" über Xies Wahl. Und Wang Ke'an, früher Präsident der Chinesischen Akademie für vorbeugende Medizin sagte, Xies Forschung "fehlt eine wissenschaftliche Basis. Sie führt die Öffentlichkeit in die Irre." Der Angegriffene selbst wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

In der scharfen Kritik an Xie und seiner Ernennung entlädt sich die Verärgerung darüber, wie die chinesische Tabakindustrie mit Rückendeckung des Staates in die Forschung eingreift. Xie ist stellvertretender Direktor des Tabak-Forschungsinstituts in Zhengzhou, das dem nationalen Tabakkonzern CNTC gehört. Er arbeitet an sogenannten teerreduzierten Zigaretten und wird darum beschuldigt, Komplize eines betrügerischen Tabakmarketings zu sein. Damit hätte China einen internationalen Vertrag verletzt: Die 2005 ratifizierte Rahmenvereinbarung zur Tabakkontrolle verbietet verharmlosende Hinweise wie etwa "leicht" in Zusammenhang mit Zigaretten.

In China findet zurzeit ein Kampf statt, den der Westen schon hinter sich hat. "Seit Jahrzehnten sucht die Tabakindustrie nach Wegen, um ihre Produkte weniger schädlich erscheinen zu lassen als sie tatsächlich sind'', sagt Armando Peruga von der Weltgesundheitsorganisation. Seit den 1990er-Jahren gerieten in den USA wie in Europa Forscher und Universitäten in die Kritik, weil sie Geld von Tabakfirmen angenommen hatten.

Ein Jahrzehnt später gab es wegen Produkten mit angeblich "reduziertem Risiko" ähnliche Vorwürfe. "Genau an diesem Punkt ist China jetzt", sagt der Kardiologe Stanton Glantz von der University of California in San Francisco, der seit 1978 gegen die Tabakindustrie kämpft und 50 Millionen Seiten ihrer einst geheimen Dokumente herausgegeben hat.

China hat 300 Millionen Raucher. Im Jahr 2010 qualmten dort 53 Prozent der Männer im Alter von 15 bis 69 Jahren. Und die Regierung ist sowohl für die Kontrolle wie für den Vertrieb von Tabak verantwortlich - die CNTC wird von der Staatlichen Monopolverwaltung betrieben. Die Tabakumsätze im Jahr 2010 betrugen mehr als 50 Milliarden Euro.

Die beiden Organisationen produzieren Hunderte Zigarettenmarken von der gängigen Marke "Doppeltes Glück" bis zur exklusiven "Chunghwa". Und sie verantworten gemeinsam Investitionen der Industrie in wissenschaftliche Institute. "In anderen Ländern", sagt Wang, "stellen die Regierungen für diese Art Forschung kein Geld bereit."

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/china-wie-die-tabakindustrie-die-wissenschaft-unterwandert-1.1256776

Weiters ......

    Gesundheitsrisiko Zigarette Tabakkonzern soll Gefahr von Zusatzstoffen verharmlost haben 21.12.2011
    Nichtraucher werden Nutzlose Nikotinpflaster 10.01.2012
    Snus und die E-Zigarette Die gesunden Alternativen zur Zigarette? 29.12.2011
    Zigaretten als Umweltverschmutzung Viel Gift in der Kippe 19.04.2011
    Statistik zum Passivrauchen Tödliche Atemzüge 26.11.2010
    Politik gegen das Rauchen Wo es für Raucher eng wird 02.01.2012
    Tabakindustrie plant Preiserhöhung Zigaretten sollen teurer werden 03.12.2011



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China Schulen tragen Namen von Tabakfirmen

13.01.2012, 10:31

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/china-wie-die-tabakindustrie-die-wissenschaft-unterwandert-1.1256776-2



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11.1.12

Rauchen: Bloßes Zusehen verführt -

http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regen/regionales/Rauchen-Blosses-Zusehen-verfuehrt;art785,87595


Das bloße Zusehen anderer Menschen beim Rauchen lässt jugendliche Raucher schwach werden und verführt sie zur Zigarette. Es braucht dazu weder ein aktives Anbieten einer Zigarette noch den Zigarettengeruch, da sich der Effekt sogar im Videochat nachweisen lässt. Das zeigt eine aktuelle holländische Studie auf.

Die Wissenschaftler untersuchten jugendliche Gelegenheitsraucher im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. Diese unterhielten sich - ohne Zigarette - in den Experimenten mit rauchenden Gleichaltrigen, teils direkt, teils über eine Webcam. "Jugendliche finden es sogar leichter, der Versuchung des Angebots einer Zigarette zu widerstehen, als jener, dass der andere raucht", berichtet Studienleiterin Zeena Harakeh von der Universität Utrecht. Rauchverbote auf Schulhöfen und anderen öffentlichen Orten, an denen Jugendliche häufig anzutreffen sind, seien deshalb ratsam.

Zwei Mechanismen bestimmen diese Wirkung, erklärt Rainer Hanewinkel, Leiter des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung. "Einerseits ist die Imitation im Spiel, andererseits bei Rauchern auch Konditionierung. Sehen Raucher eine Zigarette, verändern sich Hautleitfähigkeit und Herzrate und sie streben dem Stoff entgegen. Ist nun eine Zigarette in Reichweite und Rauchen möglich, gibt man dem Verlangen häufig nach." Gleiches gilt für alle stofflichen Süchte, so der Psychologe gegenüber pressetext.

Besser ausgedrückt als angezündet

Studienleiterin Harakeh kritisiert, dass die Darstellung von Zigaretten und Rauchern in Anti-Rauch-Kampagnen bisher kaum darauf Rücksicht nimmt. Denn bereits das Bild eines Jugendlichen mit Zigarette sei kontraproduktiv und fordere nur zur Nachahmung auf.

Hanewinkel verweist auf Würzburger Studien, die die Darstellung der Zigarette alleine untersucht haben. "Neue oder erst gerade angezündete Zigaretten haben hohen Aufforderungscharakter, ausgerauchte Stängel oder Asche hingegen nicht. Rauchverbots-Symbole sollten deshalb nicht wie bisher eine volle Zigarette zeigen, sondern besser eine ausgedrückte." (Quelle: pressetext.de)



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Ob ich rauche oder nicht ist meine eigene freie Entscheidung


11. Jänner 2012 12:00

Im Check

Die 10 hartnäckigsten Zigaretten-Mythen

Über den ungesunden blauen Dunst gibt es immer noch viele Irrtümer.



http://madonna.oe24.at/gesund/Rauchen-aufhoeren-Mythen-ueber-Rauchen/52412541


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Birger Nicolai| 12.01.2012

Aufhören, aber Dalli!

Wenn es nach EU-Kommissar John Dalli geht, werden Zigaretten künftig unterm Ladentresen verkauft und Automaten abgeschafft

Dieses Jahr kommt es zum Showdown zwischen Tabakindustrie und EU. Spätestens 2013 sollen die neuen Regeln stehen

Die neueste Idee zum Thema "Rauchverbot" kommt aus Schweden. Dort führen immer mehr Betriebe die "rökfri arbetstid" ein, die rauchfreie Arbeitszeit. Das bedeutet, dass während der Arbeitszeit keine Zigarettenpausen mehr erlaubt sind. Was den Rauchern bleibt, ist die Mittagspause oder der Feierabend. Aber das klingt noch vergleichsweise harmlos, wenn der Blick auf die Pläne von EU-Gesundheitskommissar John Dalli fällt: Der Mann aus Malta möchte europaweit am liebsten alle Zigarettenautomaten abschaffen, den Zigarettenherstellern eine Einheitspackung ohne Markenlogo vorschreiben und dann noch die Zigarettenschachteln im Verkaufsladen unter den Tresen verbannen.
Auch weit vor der Abstimmung darüber in den Gremien ist klar: Die neue Tabakrichtlinie der EU wird zu den größten Veränderungen im Zigarettenhandel seit Jahrzehnten führen. Die Zigarettenhersteller drohen schon vorab mit Klagen bis zu den höchsten Gerichten.

Was in Europa passieren kann, lässt sich im fernen Australien schon mal beobachten. Dort will die Regierung ab Dezember 2012 die heutigen Zigarettenpackungen verbieten und durch eine einheitlich olivgrüne Pappschachtel ersetzen lassen. Der Produktname steht dann nur noch klein am Rand, stattdessen zieren Warnbilder die Seiten. "Wir klagen in Australien gegen die Einheitspackung, das Ergebnis bleibt abzuwarten", sagte Ad Schenk, Deutschlandchef von British American Tobacco (BAT). BAT mit Marken wie Lucky Strike oder Pall Mall ist unter den Zigarettenherstellern der Konzern, der weltweit am besten vernetzt ist - mit Marktanteilen in fast allen Kontinenten. "Was ich von der EU höre, stimmt mich auch nicht froh. Aber wir werden unser Eigentum, unsere Marken, nicht einfach so hergeben", so Schenk weiter. Tabak brauche vernünftige Regulierung, vor allem im Jugendschutz, aber "keinen ideologischen Irrsinn".

BAT-Chef Schenk bekommt Schützenhilfe von seinem Konkurrenten Reemtsma - was auf den ersten Blick nicht überrascht. Reemtsma mit Marken wie West, JPS oder Gauloises Blondes gehört zum weltweit viertgrößten Zigarettenkonzern Imperial Tobacco aus England. Deutschlandchef Marcus Schmidt entdeckt in der Tabakbranche gar ein neues Selbstbewusstsein. "Ein so einheitliches Stimmungsbild gab es noch nie. Die Unternehmen sind nicht mehr dazu bereit, schlechte Kompromisse auszuhandeln", sagte Schmidt.
Brüssel wage den "Frontalangriff" gegen die Zigarettenhersteller. In Deutschland sitzen diesmal auch die Ölkonzerne mit im Boot: Der Mineralölwirtschaftsverband in Berlin will verhindern, dass Zigaretten nicht mehr im Laden gezeigt werden dürfen. Der Grund: Tankstellen leben von ihren Shops, hier fällt der größte Gewinn an. Und in den Tankstellenläden sind Zigarettenpackungen mit einem Umsatzanteil von rund 50 Prozent der mit Abstand wichtigste Verkaufsartikel.

Die EU-Pläne dürften die Zigarettenhersteller jedoch in ganz unterschiedlichem Ausmaß treffen. Denn die Abhängigkeit vom europäischen Markt ist bei ihnen verschieden stark ausgeprägt: So macht beispielsweise BAT deutlich mehr Geschäft in Übersee als in Europa, aus Asien und Lateinamerika kommen wesentlich höhere Wachstumszahlen als aus westlichen Ländern.

Dabei haben die Zigarettenhersteller zuletzt völlig überraschend einen Punktsieg errungen: Ein Gericht in Washington entschied, dass die Konzerne nun doch keine Schockbilder von Lungenkrebs, fauligen Zähnen oder Leichen auf beiden Seiten ihrer Zigarettenschachteln zeigen müssen. Richter Richard Leon berief sich in seinem Urteil auf das Recht auf freie Meinungsäußerung. Vereinfacht gesagt, darf danach niemand gezwungen werden, etwas zu sagen, was er nicht sagen will.

"Das Urteil spielt zwar weit weg von Brüssel, wo wir unseren Kampf zu fechten haben. Aber es wird unsere Chancen in Europa ganz sicher nicht verschlechtern", sagte Reemtsma-Deutschlandchef Schmidt. Warnbilder auf Zigarettenpackungen sind auch in der geplanten EU-Tabakrichtlinie ein wichtiger Punkt.

Die EU-Gesundheitskommission will mit ihrer Tabakrichtlinie bewirken, dass das Rauchen weiter eingeschränkt wird und Gesundheitsschäden verringert werden. Beide Seiten, die Zigarettenhersteller und die Gesundheitspolitik, beurteilen den Erfolg solcher Gesetze unterschiedlich. Der Anteil der Raucher in der Bevölkerung westlicher Länder liege seit Jahren konstant bei etwa einem Drittel, behauptet die Industrie. Neue Vorschriften hätten daran nichts verändert. Nach Jahren des Rückgangs ist der Zigarettenabsatz in Deutschland im Jahr 2011 sogar wieder leicht gestiegen.

In Schweden jedoch haben die strikten Raucher-Gesetze etwas bewirkt: Hier rauchen nur noch rund 14 Prozent der erwachsenen Einwohner.
Aber auch das ist - wie so oft - nicht die ganze Geschichte. In Schweden ist das sogenannte Snus, eine Art Kautabak, sehr beliebt. Zählt man das nikotinhaltige Produkt zum Verbrauch hinzu, greifen 26 Prozent der Schweden zu Tabakwaren. Und zum Genuss dieser kleinen, braunen Masse müssen sie nicht einmal das Büro verlassen. Die Arbeitszeit bleibt mit ihr rauchfrei.

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A N Z E I G E N Österreich bis Ende 2012 / 18-Presse - Westbahn wird angezeigt
« am: Januar 13, 2012, 22:15:29 Nachmittag »

Nichtraucher zeigen die Westbahn an

12.01.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

„Rauchersheriffs“ wollen ein Rauchverbot in den Zügen. Die Westbahn gibt sich kämpferisch. Raucherabteile verstoßen aus Sicht des selbst ernannte Rauchersheriffs, Erlachers gegen das Tabakgesetz.


Aus dem Archiv:
http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/723437/Nichtraucher-zeigen-die-Westbahn-an?from=gl.home_panorama
    Tabakgesetz: "Von Nichtraucherschutz keine Rede" (12.01.2012)
    Ein zeitloser Zug fährt ein (03.12.2011)
    Preisschlacht auf Westbahnstrecke: Tickets um 7,5 Euro (24.11.2011)
    Westbahn: Streit um Rauchverbot im Zug (16.11.2011)

Wien/Mpm. Für Raucher sind sie ein Pluspunkt, Nichtraucheraktivisten sind sie ein Dorn im Auge: die Raucherabteile in den Westbahn-Zügen. Der selbst ernannte Rauchersheriff Dietmar Erlacher, der fast 15.000 Lokale wegen Verstößen gegen das Tabakgesetz angezeigt hat, sowie Robert Rockenbauer, Chef der Schutzgemeinschaft für Nichtraucher, wollen nun ein Rauchverbot in den Westbahn-Zügen erreichen: Man sammle derzeit Anzeigen, so Erlacher, die man in einigen Wochen beim magistratischen Bezirksamt einreichen werde.

Raucherabteile verstoßen aus Sicht Erlachers gegen das Tabakgesetz, weil das Rauchen an öffentlichen Orten generell verboten ist. Weiters sei der Nichtraucherschutz nicht gegeben, da auch nicht rauchende Passagiere durch die Raucherabteile gehen müssen. Zudem habe er sogar ein 13-jähriges Mädchen, das per Gesetz gar nicht rauchen dürfte, im Abteil mit einer Zigarette gesehen.

Westbahn will Frage ausfechten

Bei der Westbahn ist man auf Klagen vorbereitet. „Wir sind davon überzeugt, dass wir alle Vorschriften gemäß dem Tabakgesetz erfüllen“, sagt Sprecher Manfred Mader. Wie in Lokalen habe man getrennte Raucherbereiche mit der vorgeschriebenen Belüftung. Man sei bereit, diese Frage vor Gericht „auszufechten“ – und das auch über mehrere Instanzen. Das könnte natürlich Jahre dauern. Das Rauchen wird bis dahin – anders als bei der Konkurrenz ÖBB, deren Züge seit 2007 rauchfrei sind – jedenfalls erlaubt bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2012)

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/723437/Nichtraucher-zeigen-die-Westbahn-an?from=gl.home_panorama

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Es stinkt, es ist schädlich, es macht süchtig - gemeint ist das Rauchen. Darüber sind sich die meisten Schüler der Hünfelder Wigbertschule einig. Deutlich machten sie das am Donnerstag im Film- und Funkraum der Schule bei der diesjährigen Eröffnung der hessenweiten Aktion "rauchfreie Klasse". Die Schule nimmt bereits seit zehn Jahren sehr erfolgreich am Nichtraucher-Klassenwettbewerb teil und war hessenweit immer an der Spitzenposition.

http://www.osthessen-news.de/beitrag_J.php?id=1208408

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Europaweiter Nichtraucher-Wettbewerb für Schüler


Krankenkasse startet erneut Aktion / Möglichst früh mit Prävention beginnen / Bis 27. April ohne Glimmstengel

Minden (mt/um). "Rauchen kann tödlich sein." "Rauchen fügt ihnen und den Menschen in ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu." Die Konfrontation mit diesen Sprüchen ist unvermeidbar. Dennoch schrecken sie Teenager nicht davon ab, zur Zigarette zu greifen.

Deshalb ist es notwendig, schon früh mit der Prävention zu beginnen. Hier setzt "Be Smart - Dont Start" ein. Dieser internationale Wettbewerb möchte den Schülern klarmachen, dass Nichtrauchen viel cooler und vor allem gesünder ist. "Damit wollen wir erreichen, dass Jugendliche gar nicht erst mit dem Rauchen anfangen", sagt Jörg Lewe, Projektleiter der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK).

Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Vorbeugungsaktion "Be Smart - Dont Start" den Einstieg ins Rauchen wirksam verhindern oder zumindest verzögern kann.

Die AOK Nordwest und das Schulamt des Kreises Minden-Lübbecke unterstützen deshalb den europaweiten Nichtraucher-Wettbewerb auch im Schuljahr 2011/2012. Im Kreis Minden-Lübbecke beteiligen sich 50 Schulkassen an der Aktion. "Die Schulklassen im Kreis Minden-Lübbecke belegen im Landesvergleich, was die Anzahl der Teilnahmen, aber auch die Qualität der Projektarbeiten angeht, regelmäßig Spitzenplätze", erklärt Schulrätin Karin Tscherniak.

"Das Prinzip ist einfach. Die Schülerinnen und Schüler verpflichten sich, im Zeitraum vom 14. November 2011 bis zum 27. April 2012 nicht zu rauchen. 90 Prozent der Schüler pro Klasse müssen die Verpflichtung einhalten", erklärt Jörg Lewe. Auf erfolgreiche Klassen warten attraktive Preise wie zum Beispiel Kinogutscheine oder Freikarten fürs Schwimmbad.

Darüber hinaus gibt es am Ende eine "Be Smart"-Abschlussfeier, zu der alle erfolgreichen smarten Schulklassen eingeladen werden. Neben der AOK und dem Schulamt wird der Wettbewerb von der Deutschen Krebshilfe, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Lungenstiftung gefördert.

Anmeldungen können über die Homepage von Be Smart getätigt werden: www.besmart.info. Weitere Fragen werden unter Telefon (05221) 594206 beantwortet.


http://www.mt-online.de/lokales/minden/5799441_Europaweiter_Nichtraucher-Wettbewerb_fuer_Schueler.html




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Deutschland / Deutschland: Darf der Arbeitgeber das Rauchen komplett verbieten?
« am: Januar 13, 2012, 21:56:14 Nachmittag »


Darf der Arbeitgeber das Rauchen komplett verbieten? -


http://www.bild.de/ratgeber/recht/rauchen/ihre-rechte-am-arbeitsplatz-22043726.bild.html -

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A N Z E I G E N Österreich bis Ende 2012 / Westbahn - Die erste Anzeige
« am: Januar 13, 2012, 21:47:47 Nachmittag »
Anonyme Anzeige
WESTbahn wegen Raucherabteilen verklagt
Westbahn Raucherklage


Der WESTbahn drohen bis zu 10.000 Euro Strafe (© APA)

Der WESTbahn ist nun die erste Klage wegen der in den Zügen vorhandenen Raucherabteile ins Haus geflattert. Das Unternehmen will wenn nötig bis zum Höchstgericht gehen. Das Gesundheitsministerium hatte die Qualmer-Abteile schon im letzten Jahr in einer Stellungnahme als gesetzeswidrig bezeichnet.

Am 29. Dezember erfolgte die anonyme Anzeige, die offenbar aus Wien stammen dürfte. Das erklärte WESTbahn-Sprecher Manfred Mader im Gespräch mit Heute.at. Nun erfolgt eine Prüfung des Sachverhaltes durch das zuständige Wiener Magistrat.

Unternehmen pocht auf Ausnahmeregelung

Der Konzern beruft sich auf die Ausnahmeregelung im Tabakgesetz, wonach abgetrennte Raucherbereiche erlaubt sind. "Durch das Unterdruck-Abluft-System in den Raucherabteilen lässt sich der Nikotingeruch von außerhalb nicht wahrnehmen", führte Mader gegenüber Heute.at aus. Da es bisher keinen Präzedenzfall hinsichtlich der Auslegung des Tabakgesetzes in Eisenbahnwaggons gebe, wird die WESTbahn nötigenfalls bis zum Höchstgericht marschieren, so der Pressesprecher.

Mader berichtete auch von überwiegend positivem Feedback der Nichtraucher-Kunden. So sollen diese erfreut darüber sein, dass nun nicht mehr "heimlich auf den Zugtoiletten" geraucht werde. Einzelne Beschwerden räumte Mader jedoch ein. "Bei einer so großen Zahl an Rückmeldungen lässt sich das gar nicht ausschließen", ergänzte der WESTbahn-Sprecher.

Bis zu 10.000 Euro Strafe drohen

Im Falle einer Strafe kann sich die WESTbahn auf Zahlungen von 1.000 Euro bis zu 10.000 Euro im Wiederholungsfall einstellen, berichten die Niederösterreichischen Nachrichten. Auch rauchenden Fahrgästen drohen demnach bei einer Anzeige saftige Strafen. Bis zu 100 Euro sind beim ersten Mal und bis zu 1.000 Euro im Wiederholungsfall zu zahlen.

http://www.heute.at/news/wirtschaft/art23662,645386


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09.01.2012 | 00:00 |

Erste Raucher-Klage gegen WESTbahn

Seit Mitte Dezember macht die WESTbahn den ÖBB auf der Westbahnstrecke zwischen Wien und Salzburg Konkurrenz – und wartet auch mit eigenen abgetrennten Raucherabteilen auf.GLEISS
Der neue private Bahnbetreiber kassiert für seine Raucherabteile die erste Klage, will aber nicht klein beigeben und im Falle alle juristischen Instanzen durchfechten.

VON HEINZ BIDNER

Die private WESTbahn-Gesellschaft hat nun erwartungsgemäß ihre erste Klage in Bezug auf das Tabakgesetz am Hals. Das Unternehmen hat ja in jedem Zug eigene Raucherabteile mit jeweils 16 Sitzplätzen angelegt.

Diese sind nach Ansicht des Gesundheitsministeriums illegal und verstoßen gegen das Gesetz. „Wir haben vom Ministerium noch vor Jahreswechsel eine entsprechende Stellungnahme erhalten“, weiß WESTbahn-Sprecher Manfred Mader.

Die Positionen: Das Bahnunternehmen pocht auf die rechtliche Ausnahmeregelung für Gaststätten, die auch bei Zügen anzuwenden sei. Das Ministerium hingegen meint, dass diese hier nicht anwendbar sei. Demnach gebe es ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Allein in der Gastronomie gebe es explizit diese Ausnahme. Fakt ist, dass es hier noch keine sicheren rechtlichen Grundlagen gibt, da in einem derart gelagerten Fall noch kein Gerichtsurteil vorliegt.

Nach der am 29. Dezember erfolgten anonymen Anzeige wurde nun das behördliche Ermittlungsverfahren zu den Raucherabteilen gestartet. Kostenpunkt: bei der ersten Anzeige bis zu 1000 Euro Strafe, im Wiederholungsfall bis zu 10.000 Euro.

„Wir sind bereit, bis zum Höchstgericht zu gehen“, zeigt sich Mader kämpferisch. Und das könnte Jahre dauern.

Sollte ein Gang zum Unabhängigen Verwaltungssenat der WESTbahn nicht Recht geben, könnte sie noch die obersten Gerichtshöfe anrufen. Allerdings gehen damit, wie berichtet, Risiken einher. Ab einem ersten rechtskräftigen Urteil gegen das Unternehmen würden die Strafzahlungen fällig. Ab zwei rechtskräftigen Urteilen wäre sogar ein Konzessionsentzug der WESTbahn möglich, heißt es aus dem Ministerium.

Wichtiges Detail am Rande: Auch rauchenden Fahrgästen drohen bei einer Anzeige saftige Strafen: bis zu 100 Euro beim ersten Mal und bis zu 1000 Euro im Wiederholungsfall.

http://www.noen.at/news/chronik/Erste-Raucher-Klage-gegen-WESTbahn;art151,363877


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Umfrage: Rauchverbot auf österreichisch

    54% sagen, Rauchen in Lokalen gehört verboten


Die Mehrheit der Österreicher (54%) ist für ein generelles Rauchverbot, wie es die Ärztekammer kürzlich gefordert hat. 44% sind laut der Umfrage für die Beibehaltung der aktuellen Lösung.

Sophie Karmasin, Karmasin Motivforschung

Die Mehrheit der Österreicher ist für ein generelles Rauchverbot in Lokalen. Es ist schwer vorstellbar, dass die Gastronomie und die Wirtschaftskammer einer strikteren Regelung zustimmen, auch wenn die Bevölkerung mehrheitlich dafür wäre. Es wäre aus Sicht der Unternehmer auch unverständlich, wenn nach aufwändigen Investitionen und Umbauarbeiten diese wieder infrage gestellt werden, weil es keinen eigenen Raucherbereich mehr braucht. Also wird die diplomatische Regelung aufrechtbleiben. Auf lange Sicht wäre es allerdings klüger, nicht alle Probleme auf die verwässerte österreichische Art zu lösen, sondern klare und konsequente Entscheidungen zu ­treffen.

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Ö s t e r r e i c h Medienberichte 1 / 16-Profil - Fetter Tobak
« am: Januar 13, 2012, 21:37:18 Nachmittag »

http://www.profil.at/articles/1152/560/315456/rauchen-fetter-tobak

Fetter Tobak

    Tabakgesetz:. Verlagert sich die Sucht durch strenge Verbote?



·Rauchverbot auf österreichisch
Umfrage. 54% sagen, Rauchen in Lokalen gehört verboten

Der Nichtraucherschutz in Österreichs Gastronomie ist nach wie vor mangelhaft. Die Lösung, die es allen recht machen will, hat im Gegensatz zu strikten Rauchverboten keinen gesundheits­fördernden Effekt.

Von Robert Buchacher

Im Wiener AKH, der österreichweit ersten Adresse zur Behandlung von Raucherschäden, hat sich nichts geändert. Zu ebener Erde wird in einem speziellen, durch Glaswände separierten Raucherraum gepofelt, was das Zeug hält; in den Stockwerken darüber befassen sich Pulmologen, Kardiologen, Krebsmediziner und Chirurgen mit den Folgen des Tabakkonsums. Mit 34 Prozent Rauchern gehört Österreich laut der EU-weiten Umfrage Eurobarometer 2010 weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Tabakkonsum. Der Anteil der Raucher an der erwachsenen Bevölkerung bildet aber das wahre Ausmaß des heimischen Tabakkonsums nur mangelhaft ab. Mit der Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten – im Mittel 17,7 – liegt Österreich EU-weit im Spitzenfeld. Und bei jugendlichen Rauchern führt ­Österreich seit Jahren die EU-Statistik an.

Dramatischer noch wird die Situation auf der Homepage des Gesundheitsministeriums unter dem Punkt Tabakgesetz beschrieben: „Der Konsum von Tabak ist in Industrieländern wie Österreich die bedeutendste Ursache vermeidbarer Krankheiten und Todesfälle. Weltweit sterben derzeit nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jährlich über vier Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen tabakbedingter Krankheiten. Diese Zahl wird sich innerhalb der nächsten Jahrzehnte auf rund zehn Millionen pro Jahr erhöhen, wenn gegen diese Entwicklung nichts ­unternommen wird. Schätzungsweise 12.000 bis 14.000 Menschen sterben in ­Österreich pro Jahr an den Folgen tabakbezogener Erkrankungen.

Angesichts dieser enormen Bedrohung ist politisches Handeln, einschließlich entsprechender Initiativen zur Schaffung der gebotenen Maßnahmen auf gesetzlicher Ebene, dringend erforderlich.“

Nicht unbedingt in Befolgung dieser eindringlichen Sätze handelte SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger, als er die von seiner ÖVP-Vorgängerin Andrea Kdolsky mit der Wirtschaftskammer ausgehandelte Novelle zum Tabakgesetz zur Beschlussfassung vorlegte. Das Gesetz sollte dem Nichtraucherschutz auch in der Gastronomie zum Durchbruch verhelfen. Zuerst gab es eine Übergangsfrist für die Wirte, dann schauten die Behörden weg, und wenn man dem Tiroler „Rauchersheriff“ Robert Rockenbauer Glauben schenkt, dann funktioniert die Regelung auch 18 Monate nach dem endgültigen Inkrafttreten mehr schlecht als recht.
Zeit also, Bilanz zu ziehen und nachzuschauen, was sich durch die neuen Bestimmungen geändert hat. Und vor allem auszuloten, welchen Effekt die viel konsequenteren Regelungen in anderen Ländern bisher hatten.

Nachdem in vielen Weltgegenden bereits seit Jahren strikte Rauchverbote gelten, liegt auch schon eine Fülle von wissenschaftlichen Untersuchungen über die Auswirkungen auf die Volksgesundheit und die Gesundheitskosten vor.

Vorerst aber noch ein Blick auf die Situation in Österreich: Der gesetzliche Nichtraucherschutz in der Gastronomie trat mit 1. Jänner 2009 in Kraft, allerdings mit einer Übergangsfrist bis 30. Juni 2010. In Lokalen bis zu einer Fläche von 50 Quadratmetern konnten die Wirte selbst entscheiden, ob ihr Lokal eine Raucher- oder eine Nichtraucher-Gaststätte ist. Sie mussten ihre Räumlichkeiten nur dementsprechend kennzeichnen. Für Lokale mit einer Fläche zwischen 50 und 80 Quadratmetern schreibt die Novelle die Einrichtung eines Nichtraucherraums nur dann vor, wenn dies baulich möglich ist. Und für Lokale mit einer Fläche über 80 Quadratmeter gilt die verpflichtende bauliche Einrichtung eines Nichtraucherraums als Hauptraum, wobei aus der Raucherzone kein Qualm in den Nichtraucherraum gelangen darf. In der Praxis erweist sich diese Bestimmung als undurchführbar. Denn laut einer Studie der Wiener Medizinuniversität enthält auch die Luft in „Nicht­raucherräumen“ gesundheitsgefährdende Schadstoffkonzentrationen, die aus dem benachbarten Raucherraum stammen.

„80 Prozent der Wirte verstoßen gegen die neuen Bestimmungen, weil die Tür zum Raucherraum immer offen ist“, behauptet „Rauchersheriff“ Rockenbauer, der am Donnerstag kommender Woche in Wien eine Pressekonferenz zum Thema „Drei Jahre untaugliches Tabakgesetz“ abhalten will. Viele Lokalbesitzer würden laut Rockenbauer fälschlich behaupten, eine Ausnahmegenehmigung für ihr Lokal zu besitzen, umgekehrt würden Behörden Genehmigungen ausstellen, die sie nach dem Gesetz gar nicht ausstellen dürften. „Die angedrohten Strafen bis zu 2000 Euro funktionieren nicht, weil es ein umständliches Ermittlungsverfahren gibt und die total überforderten Behörden kein zusätzliches Personal bekommen“, sagt Rockenbauer.

Der Internist Manfred Neuberger, Umwelthygieniker an der Wiener Medizinuniversität sowie Vizepräsident der „Initiative Ärzte gegen Raucherschäden“, meint sogar: „Das Tabakgesetz wurde von der Wirtschaftskammer als Sprachrohr der ­Tabakindustrie zum Scheitern programmiert.“ Zwar hat sich durch die Gesetzesnovelle der Nichtraucherschutz in vielen Lokalen verbessert, aber gemessen an internationalen Standards zur Tabakkon­trolle, ist Österreich ein Entwicklungsland. Insbesondere der Tabakkonsum hat sich in der Alpenrepublik seit Einführung des Gesetzes nicht nur nicht verringert, er ist laut Eurobarometer im Zeitraum 2006 bis 2009 sogar um drei Prozent gestiegen. Dass der Tabakkonsum in Österreich nicht zurückgegangen ist, bestätigt auch der Bundesgremialobmann der Trafikanten, Peter Trinkl – trotz oftmaliger Klagen der Tabakverschleißer über Umsatzeinbußen: „Auf den Tabakverbrauch hat sich die neue Gesetzeslage nicht ausgewirkt, Umsatzeinbußen gibt es nur durch vermehrten Import und Schmuggel von Billigware aus ehemaligen Ostblockländern.“

Zufrieden mit der neuen Regelung zeigen sich die Wirte und laut Helmut Hinterleitner, Fachverbandsobmann Gastronomie in der Bundeswirtschaftskammer, auch die Konsumenten: „Wir haben viele positive Rückmeldungen. Laut einer von uns Anfang des Jahres in Auftrag gegebenen Market-Umfrage zeigen sich drei Viertel der Befragten mit den Maßnahmen zum Nichtraucherschutz zufrieden.“

Zwei Diplomarbeiten der Wiener Medizinuni zeichnen ein konträres Bild. Die Autoren orteten Unzufriedenheit beim Personal und in noch höherem Maß bei 1590 befragten Gästen in zufällig ausgewählten Wiener Lokalen.
Einen gesundsheitsfördernden Effekt erzielt das novellierte österreichische Tabakgesetz laut Umwelthygieniker Neuberger weder beim Aktiv- noch beim Passivrauchen. In vielen anderen Ländern, die von vornherein striktere Regelungen erlassen haben und diese auch konsequent durchsetzen, gibt es hingegen nicht nur wissenschaftlich belegbare gesundheit­liche Benefits, wie etwa eine durch die Rauchverbote gesunkene Herzinfarktrate, sondern auch eine deutliche Reduzierung der Gesundheitskosten. In einigen US-Staaten, wie etwa in Kalifornien, bestehen strikte Rauchverbote am Arbeitsplatz und in allen öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten schon seit mehr als 30 Jahren. Und in New York ist jetzt auch das Rauchen in Parks verboten.

Die in den USA gesetzliche, vor allem aber die gesellschaftliche Ächtung des Rauchens könnte allerdings zu einer Verlagerung der Sucht führen, was auch die Wiener Suchtforscherin Gabriele Fischer für möglich hält (siehe Interview). Auffallend sind in den USA die explodierenden Zahlen im Bereich Übergewicht und Fettsucht (Adipositas). Die Verlagerung der Sucht in vermehrtes Essen und Nascherei könnte dabei eine Rolle spielen.

„Es gibt alle möglichen Kompensationsmechanismen, solange das Nikotinbedürfnis noch nicht überwunden ist“, erklärt Umweltmediziner Neuberger. Gesichert sei, dass Personen, die sich das Rauchen abgewöhnen, häufig einige Kilos zunehmen. „Aber in prospektiven Studien zeigt sich, dass Jugendliche, die nie zu rauchen begonnen haben, schlanker bleiben als jene, die zu rauchen angefangen haben“, so Neuberger. Eine der Erklärungen für die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp sei, „dass man das Verlangen nach Zigaretten durch Naschen kompensiert. Außerdem werden dann die Geschmacksnerven wieder empfindlicher, das Essen schmeckt besser.“

Unterdessen belegt eine Vielzahl von geprüften und in hochkarätigen Journalen publizierten wissenschaftlichen Studien die gesundheitlichen und gesundheitspolitischen Benefits durch konsequente Rauchverbote, etwa auf das Barpersonal in den USA, Australien, Schottland, Irland, England und Israel. Ergebnis: Sowohl bei Rauchern wie bei Nichtrauchern gingen Atembeschwerden deutlich zurück. Und überraschenderweise zeigen sich beide Gruppen mit dem Rauchverbot zufrieden.

Umweltmediziner und Epidemiologen der Harvard School of Public Health analysierten auch die Auswirkungen von strikten Rauchverboten auf 11.500 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen drei und 19 Jahren. Die Jugendlichen waren allesamt Nichtraucher. Als Marker für das Mitrauchen im Haushalt oder anderen Räumen zogen die Wissenschafter den Anteil von Cotinin im Blut heran, einem Nikotin-Abbauprodukt. Ergebnis: Bei Kindern und Jugendlichen, die daheim keinem Passivrauch ausgesetzt waren, zeigte sich nach Einführung strikter Rauchverbote ein signifikanter Rückgang des Cotininwerts, bei Kindern und Jugendlichen, deren Eltern rauchten, war hingegen keine Veränderung feststellbar.

Forscher der University of California in San Francisco (UCSF) untersuchten den Effekt des umfassenden, bereits im Jahr 1980 in Kalifornien eingeführten Tabakkontroll-Programms auf die staatlichen Gesundheitskosten. Im Vergleich mit anderen US-Bundesstaaten errechneten Wissenschafter, wie viel Kalifornien ohne Tabakkontrolle für Gesundsheitsleistungen hätte ausgeben müssen. Ergebnis: Im Zeitraum 1989 bis 2004 wurden durch das Programm innerhalb von 15 Jahren 86 Milliarden Dollar (Wert 2004, entspricht etwa 66 Milliarden Euro) eingespart.

Einige Staaten, wie etwa Neuseeland, Australien und Großbritannien, die schon jetzt strikte Rauchverbote haben, wollen ihre Maßnahmen zur Tabakkontrolle noch weiter verschärfen. In Großbritannien, einem der Pioniere strikter Tabakkontrolle in Europa, gilt seit 1. Oktober ein Verbot für Zigarettenautomaten. Ab April 2012 dürfen Zigarettenpackungen nicht mehr offen zur Schau gestellt werden. Der konservative Gesundheitsminister Andrew Lansley will darüber hinaus erreichen, dass Zigarettenschachteln künftig nur noch gesundheitliche Warnaufschriften, Angaben über den Nikotingehalt sowie den Herstellernamen ohne jede grafische Gestaltung tragen dürfen.

Gemessen an dieser Radikalität, ist Österreich noch immer eine Insel der Rauchseligen. Vielen ausländischen Gästen, die nach Österreich kommen, fällt auf, dass hierzulande viel mehr Menschen rauchen, als sie das aus ihren Heimatländern gewohnt sind. Isaac Witz, international renommierter Krebsforscher an der Tel Aviv University, der fallweise immer wieder in seine Geburtsstadt Wien kommt, weil er hier mit österreichischen Krebsforschern kooperiert, ist einer von ihnen. Kürzlich wurde Witz von einem seiner Gastgeber zum Mittagessen ins Restaurant „Zur Goldenen Kugel“ in der Wiener Lazarettgasse eingeladen. Just als das Essen aufgetischt wurde, zündeten sich zwei Herren am Nebentisch Zigaretten an. Frage an den Ober: „Sind Sie ein Raucherlokal?“ Der Ober: „Ja, brauchen S’ einen Aschenbecher?“

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Ö s t e r r e i c h Medienberichte 1 / 15-Kurier - Jetzt erst Knecht
« am: Januar 13, 2012, 21:33:41 Nachmittag »



Jetzt erst Knecht: Bewusstsein folgt Fakt


Es ist immer noch merkwürdig – und im Rückblick ein Alzerl beneidenswert –, wenn man abends im Stammlokal sitzt, und am Nebentisch sitzen junge Eltern mit ihrem Säugling. Eh nicht oft, aber hin und wieder: Und das war zu der Zeit, als meine Kinder Babys waren, vollkommen undenkbar, weil in absolut jedem Lokal mörder geraucht wurde. Jetzt darf man noch in ein paar kleinen Bars rauchen; in allen größeren Lokalen müssen die Raucher entweder raus an die frische Luft oder in einen räumlich abgetrennten Raucherbereich.

Und daran haben sich längst alle gewöhnt: So wie es sich bereits kein Mensch mehr vorstellen kann, dass es einmal möglich war, in Flugzeugen, in Straßenbahnen oder in Krankenhäusern zu rauchen, vergisst man allmählich, dass man vor noch gar nicht langer Zeit in jedem Restaurant rauchen konnte. Es ist nun einmal wirklich so: Das Bewusstsein folgt den geschaffenen Fakten.

Auch wenn es nach wie vor Lokalbesitzer geben soll, die dem Rauchverbot in der Gastronomie die Schuld für einen Geschäftsrückgang geben. Der Wirt meines Vertrauens sagt: „Unsinn. Ein Wirt, der wegen des Rauchverbots Umsatzeinbußen hat, versteht sein Geschäft nicht.“

Dennoch (das sage ich als Quartalsnikotinsüchtige, die zwanghaft jeden Winter ein paar Wochen lang rauchen muss): Es ist schön, dass es auch bei uns noch ein paar kleine verrauchte Oasen der Unvernunft gibt, eine Handvoll gallischer Nebel-Dörfer, die, wie anderswo die Opiumhöhlen, eh nur von jenen betreten werden, die das Risiko der Selbstgefährdung durch aktiven oder passiven Nikotinkonsums auf sich zu nehmen bereit sind. Das allgemeine Rauchverbot ist gut und richtig. Ein paar Grauzonen dazwischen verträgt es aber schon auch.


http://kurier.at/nachrichten/4480881-jetzt-erst-knecht-bewusstsein-folgt-fakt.php